17.09.2010

Produktentwicklung

Künstliche Intelligenz soll Rollstuhlfahrern helfen

José de R. Millán
José de R. Millán
Ein Forschungsteam der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) in der Schweiz entwickelte kürzlich einen elektrischen Rollstuhl, der durch Gedanken gesteuert wird. Für den jeweiligen Fahrer soll die künstliche Intelligenz (KI) des Geräts eine zusätzliche Hilfestellung bieten, um Hindernisse zu umfahren. Die Forscher erhoffen sich vom dem Gemisch aus Gedankensteuerung und künstlicher Intelligenz („Shared Control"), Gedankensteuerungen besser nutzen zu können.

Die Technologie baue auf einen Helm mit Elektroden auf, um die Gehirnaktivitäten des Fahrers auszulesen und an einen Computer zu senden. Dieser interpretiere die Daten und leite daraus ab, wohin sich der Rollstuhlfahrer bewegen möchte. „Das funktioniert sehr schnell und natürlich. Ich kann in etwa einer Sekunde ein Kommando an den Stuhl senden", erklärt Michele Travella, Assistent von Prof. José de R. Millán. Zuvor müsse der Fahrer die Gedankensteuerung allerdings einige Stunden lang trainieren. Grund dafür sei, dass sich einerseits das Gehirn des Fahrers daran gewöhnen muss und andererseits das Steuerungssystem lernen muss, spezifische Gehirnaktivitäten des Lenkers zu interpretieren.

Zwar funktioniere die Gedankensteuerung des Rollstuhls im Vergleich zu ähnlichen Entwicklungen relativ schnell, jedoch gebe es nur eine beschränkte Auswahl an Kommandos, die Travella an den Rollstuhl senden kann. Dazu zählten momentan die Fahrt nach links, rechts oder vorwärts. Um diese Kommandos zu ergänzen und Anstrengungen für Fahrer zu minimieren, unterstütze die KI den Lenker. Diese bestehe darin, dass Umgebungsinformationen aus zwei seitlich am Rollstuhl montierten Kameras bezogen werden, welche an eine Bildverarbeitungssoftware gesendet werden. Somit könne der Rollstuhl selbstständig Hindernisse umfahren, wenn der Fahrer nicht schnell genug reagiert.

Die Forscher stellten jedoch hohe Anforderungen an die noch in der Entwicklung befindliche KI. „Sie muss erkennen, um welches Objekt es sich bei einem Hindernis handelt und entsprechend reagieren", sagt Tom Carlson, der vornehmlich daran arbeitet. Erkenne die künstliche Intelligenz einen Tisch, so müsse sie künftig auch die Hirnaktivität des Rollstuhlfahrers interpretieren und entscheiden, ob dieser den Tisch umfahren oder daran arbeiten will. Das Konzept der Gedankensteuerung wollen die EPFL-Forscher zudem auch in anderen Bereichen einsetzen. Dazu gehöre ein durch menschliche Gehirnaktivität gesteuerter Roboter ebenso wie eine Software, die Nutzern ermöglichen soll, mithilfe ihrer Gedanken den Web-Browser zu steuern und sogar E-Mails zu verfassen. pte

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